Ist Kirschlorbeer giftig? Was für Kinder, Hunde und Katzen wirklich gilt
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) steht in sehr vielen deutschen Gärten, meist als Sichtschutzhecke. Der Name führt dabei in die Irre: Mit dem Küchengewürz Lorbeer hat die Pflanze nichts zu tun, sie gehört zu den Rosengewächsen und ist mit Kirsche und Pflaume verwandt. Und ja, sie ist giftig, aber nicht auf die dramatische Art, die man manchmal liest.
Welche Pflanzenteile sind giftig?
Alle Teile der Pflanze enthalten zyanogene Glykoside, besonders die Blätter und die Samen im Inneren der schwarzroten Früchte. Diese Verbindungen sind für sich genommen harmlos. Gefährlich werden sie erst, wenn das Pflanzengewebe zerkleinert wird: Beim Kauen treffen die Glykoside auf ein Enzym, und dabei entsteht Blausäure.
Diese Bedingung erklärt viele scheinbare Widersprüche. Ein ganz verschluckter Kern passiert den Verdauungstrakt meist unverändert, ein gründlich zerkautes Blatt setzt dagegen Blausäure frei. Das Fruchtfleisch selbst ist deutlich schwächer belastet als Kern und Blatt.
Ab welcher Menge wird es kritisch?
Zwei unabhängige Fachquellen nennen dieselbe Größenordnung. Das Giftinformationszentrum Bonn gibt an, dass bei bis zu drei Früchten keine Vergiftungserscheinungen zu erwarten sind. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte formuliert es vorsichtiger: drei Beeren können bei Kleinkindern bereits Symptome auslösen – Übelkeit, Bauchschmerzen, Atemnot. Rechnen Sie bei kleinen Kindern also mit der niedrigeren Zahl.
Bei größeren Mengen kommen Erbrechen und, seltener, Kopfschmerzen, Schwindel, verlangsamte Atmung und Bewusstseinsstörungen hinzu.
Andernorts finden Sie zum Teil deutlich höhere Zahlen. Halten Sie sich im Zweifel an die niedrigere und rufen Sie das Giftinformationszentrum an; dort wird nach Menge, Zeitpunkt und Alter gefragt und im Einzelfall entschieden.
Im Verdachtsfall: Wenden Sie sich an das für Ihr Bundesland zuständige Giftinformationszentrum. Halten Sie bereit, was gegessen wurde, wie viel und wann. Lösen Sie kein Erbrechen aus. Bei Atemnot oder Bewusstseinstrübung wählen Sie sofort die 112.
Was ist giftiger, Kirschlorbeer oder Eibe? Die Eibe deutlich. Bei ihr reichen schon mehr als zwei zerkaute Samenkerne, und für Pferde ist sie die gefährlichste Giftpflanze überhaupt.
Kinder im Garten
Die Früchte sind das eigentliche Thema, nicht die Blätter. Sie sind glänzend, schwarzrot und sehen essbar aus – für kleine Kinder eine naheliegende Verwechslung mit Heidelbeeren oder Johannisbeeren. Reif werden sie im Spätsommer, und genau dann steht die Hecke voll.
Drei Dinge helfen mehr als jedes Verbot:
- Schneiden Sie die Hecke nach der Blüte, dann setzt sie kaum Früchte an.
- Sammeln Sie herabgefallene Früchte ab, wo Kleinkinder spielen.
- Bringen Sie Kindern früh bei, dass im Garten nichts in den Mund kommt, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Diese Regel wirkt bei allen Gartenpflanzen gleichzeitig.
Hunde, Katzen und andere Tiere
Das Wirkprinzip ist bei Tieren dasselbe. Hunde nehmen gelegentlich Fallobst auf, Katzen kauen eher an Blättern, und Pferde sowie Weidetiere reagieren empfindlich auf Gehölzschnitt, der über den Zaun geworfen wird. Geben Sie Kirschlorbeerschnitt niemals an Tiere weiter.
Anzeichen sind Erbrechen, starker Speichelfluss, Unruhe und auffällige Atmung. Fahren Sie in diesem Fall in eine Tierarztpraxis und nennen Sie die Pflanze; nehmen Sie ein Blatt oder eine Frucht als Probe mit.
Beim Heckenschnitt
Hautkontakt mit unverletzten Blättern ist unbedenklich. An den Schnittflächen tritt jedoch Pflanzensaft aus, der empfindliche Haut reizen kann. Tragen Sie Handschuhe und waschen Sie danach die Hände.
Der Schnitt selbst gehört nicht auf den eigenen Kompost: Die ledrigen Blätter verrotten sehr langsam, und beim Heckenschnitt fallen erhebliche Mengen an. Biotonne oder Wertstoffhof sind der richtige Weg. Verbrennen Sie Gartenabfälle nicht; das ist in den meisten Kommunen untersagt.
Warum Kirschlorbeer umstritten ist
Die Pflanze steht seit Jahren in der Kritik von Naturschützern, und das hat wenig mit ihrer Giftigkeit zu tun. Kirschlorbeer stammt aus Kleinasien und dem Kaukasus, wächst schnell, verträgt Trockenheit und Schatten und bleibt immergrün. Genau diese Eigenschaften machen ihn zum Problem: Vögel fressen die Früchte und tragen die Samen in Wälder, wo er dichte Bestände bildet und heimische Arten verdrängt. Als Nahrungsquelle für Insekten ist er dagegen weitgehend wertlos.
In Deutschland ist Kirschlorbeer weiterhin frei erhältlich; über Einschränkungen wird diskutiert. Wenn Sie ohnehin neu pflanzen, sind heimische Hecken aus Hainbuche, Liguster oder gemischte Wildhecken die ökologisch bessere Wahl, und keine davon trägt Früchte, die aussehen wie Beeren.